Formigas kann auch virtuell

Anke Westphal

27. Mai 2019

Die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung Konstanz hat auch in diesem Semester ihre Türen für Technikbegeisterte und Interessierte geöffnet und zum vierten OneDay_VR eingeladen. Dieses Event lassen wir uns natürlich nicht entgehen und verzichten auf das gemütliche Sonnenbaden, was an diesem Freitag bei super Sonnenschein auch möglich gewesen wäre.

Zusammen mit ca. 150 anderen Interessierten, darunter Studierende und Vertreter unterschiedlicher Unternehmen, lauschen wir spannenden Vorträgen. Dabei geht es um alles, was irgendwie mit Virtual Reality (VR), Artificial Intelligence (AI) und Augmented Reality (AR) zu tun hat - bei diesen Themen darf natürlich auch ein Vortrag von unserem Creative Technologist Jakob nicht fehlen.

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Denn momentan passiert gerade im Bereich Augmented Reality extrem viel, und die Entwicklung geht wahnsinnig schnell. Ganz vorne mit dabei ist Apple, die kürzlich Version Zwei ihres ARKits vorgestellt haben - eine Art Werkzeugkasten, welcher es Programmierern einfacher macht, etwas in der AR zu entwickeln. Augmented Reality heißt auf deutsch „erweiterte Realität“ und, wie der Name schon verrät, ergänzt sie die reale Umgebung mit virtuellen Elementen. Apple bietet schon jetzt spannende Möglichkeiten im Zusammenhang mit AR, beispielsweise das exakte Ausmessen von geraden Strecken. Das iPhone kann so z.B. die Länge deines Schreibtisches, die Deckenhöhe Deines Büros oder auch dessen gesamte Fläche ermitteln.

Wir haben uns das ARKit mal genauer angesehen und abgesteckt, welche Möglichkeiten das Tool von Haus aus bietet - und was wir alles daraus machen können. Das ARKit liefert uns umfassende Eingangsdaten: die Position und Ausrichtung der Kamera im Raum (dank der vorhandenen Beschleunigungssensoren auch bei bewegter Kamera) und eine 3D-Punktwolke der aufgenommenen Objekte. Allerdings können nur vertikale und horizontale Strecken vermessen werden – da uns das zu wenig war, hat unser Team hat nun darüber hinaus einen Algorithmus kreiert, der auch das Erkennen von unebenen Oberflächenstrukturen oder 3D-Objekten wie z.B. Zylindern ermöglicht.

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Im Rahmen dieser Explorationsphase, an der neben Formigas auch andere Unternehmen beteiligt waren, sind unterschiedliche Prototypen entstanden. Einer davon ist »Golfity« – ein eigenes Produkt, bei dem es, wie der Name schon verrät, ums Golfen geht. Um genau zu sein ist es eine digitale Lösung zum Ermitteln des optimalen Puts. Als “Put” bezeichnet man den letzten Schlag beim Golfspiel, also der Schlag, der im besten Fall den Ball ins Loch befördert. Dabei die Kamera des iPhones der Schlüssel: mit ihr erfassen wir den Weg vom Ball zum Loch. Die entstandene Bildsequenz werten wir anschließend aus und generieren eine 3D-Fläche, die den Weg vom Ball zum Loch abbildet (world tracking).

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Jetzt, wo wir die 3D-Fläche haben, müssen wir nur noch die passenden physikalischen Eigenschaften, z.B. für die Größe und das Gewicht des Golfballs, die Reibung, den Rollwiderstand etc., definieren. Ein Algorithmus spielt unterschiedliche Schlagmöglichkeiten durch, bis er schließlich den Optimalschlag präsentiert kann. Das Ganze fällt in den Bereich der AR (Computer Vision) und funktioniert ziemlich gut, wie unser Experience Designer Nik auf dem Golfplatz beweist. Für alle Interessierten in diesem Bereich wird es nächste Woche einen weiteren Beitrag geben.

Was bedeutet das für uns?

Die Möglichkeiten die uns durch die AR geboten werden sind beinahe unbegrenzt - und die Entwicklung läuft rasant. Schon heute hat beinahe jeder Mensch mit seinem Smartphone gleichzeitig einen 3D-Scanner in der Hand. Dadurch könnten viele Prozesse optimiert, und Abläufe erleichtert werden: vom Scannen des eigenen Kopfes zum Anpassen der perfekten Brille, über das virtuelle Anprobieren von Klamotten und das Ausmessen des Ringfingers für einen Ehering gibt es eine Vielzahl an Möglichkeiten die uns eröffnet werden. Und die in der Zukunft sicher noch weiter ausgebaut werden. Wir schauen dem Thema gespannt und ziemlich motiviert entgegen!